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🎙 The Actuarial Angle: GLM vs. GBM: Welches Modell gewinnt, und wann?

Veröffentlicht am 21. Mai 2026 in Pricing • Lesezeit: 5 Minuten
Thomas Holmes
Chief Actuarial Officer, Akur8

GLM oder GBM? Diese Frage beschäftigt Aktuar:innen seit Jahren. Die eigentliche Frage ist jedoch nicht, welches Modell besser ist, sondern wann genau welches Modell am besten geeignet ist.

Gemeinsam mit Felix Go und Jan Küthe, Actuarial Data Scientists bei Akur8, haben wir uns genau diesem Thema gewidmet. Unsere Antwort: Beide Modelle können gewinnen, allerdings in sehr unterschiedlichen Situationen.

Wenn GLMs der klare Sieger sind

Die Stärke von GLMs (Generalized Linear Models) liegt vor allem in zwei Faktoren: Erklärbarkeit und Kontrolle.

GLMs liefern Modelle, die vollständig nachvollziehbar sind und Variable für Variable angepasst werden können. Aktuar:innen können das Modell prüfen, genau verstehen, warum es einen bestimmten Preis erzeugt, und es auf Basis ihrer fachlichen Expertise anpassen.<span> </span>Im Versicherungs-Pricing  ist diese Transparenz unverzichtbar, da Fachwissen erforderlich ist, um die in den Daten enthaltenen Erfahrungen vollständig zu erklären und zu interpretieren.

Unserer Erfahrung nach ist ein GLM einem GBM immer dann überlegen, wenn ein Modell erklärt oder angepasst werden muss. Wenn eine Variable extrapoliert werden muss, wenn Sie einen gleichmäßigen Anstieg einer numerischen Variable wie dem Alter benötigen oder wenn Sie die Höhe eines bestimmten Rabatts oder Aufschlags anpassen müssen, sind dies Dinge, die Sie in ein GLM integrieren können. Mit einem GBM ist dies schlichtweg nicht möglich.

Drei Gründe, warum GLMs GBMs übertreffen

1. Geschäftslogik durchsetzen

Mit GLMs lassen sich Monotonie- und Größenbeschränkungen während des gesamten Modeling-Prozesses vergleichsweise einfach durchsetzen. GBMs lernen primär aus Datenmustern, daher müssen solche Einschränkungen separat hinzugefügt werden, wenn sie überhaupt berücksichtigt werden. In einem GBM ist die Anwendung solcher Constraints deutlich komplexer: Entweder muss das GBM so stark vereinfacht werden, dass es im Wesentlichen die Transparenz eines GLMs nachbildet, oder das Ergebnis der Einschränkung entspricht nicht dem, was Modellierer:innen oder Entscheider:innen erwarten würden.
 

2. Datenarme Segmente behandeln

Manchmal wissen Aktuar:innen aus Erfahrung, dass eine bestimmte Kategorie immer mit einem Zuschlag versehen werden sollte, auch wenn dafür nur wenige Exponierungen vorliegen. Eine solche Anpassung wird sich nicht unbedingt in den Teststatistiken zeigen, wohl aber später durch adverse Selektion. Ein GLM ermöglicht es, Expertenwissen direkt in das Modell einzubringen. Ein GBM wird ein solches Signal ohne ausreichende Datenbasis schlicht ignorieren.

3. Über historische Daten hinaus extrapolieren

GLMs können Trends auf Basis fachlicher Expertise fortschreiben. GBMs hingegen können nur innerhalb der Grenzen der Daten arbeiten, auf denen sie trainiert wurden.

Wenn GBMs der klare Sieger sind

GBMs (Gradient Boosting Machines) sind besonders stark in einem Bereich: Sie erfassen komplexe, stark interagierende Muster in großen Datensätzen.

Wenn die Daten so umfangreich und komplex sind, dass kein Mensch vernünftigerweise die richtige Funktionsform festlegen kann, spielen GBMs ihre Stärken voll aus. Sie decken tiefgreifende Zusammenhänge auf, die ein GLM völlig übersehen würde.

Das Telematik-Beispiel

Die Telematik ist ein Paradebeispiel dafür. Ein Telematik-Bewertungsproblem kann leicht Hunderte von Merkmalen umfassen, wobei die Zusammenhänge zwischen Schadensfällen und den zugrunde liegenden Sensordaten stark nichtlinear sind.

Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsverhalten, Tageszeit, Straßenart, Fahrzeit: Die Wechselwirkungen zwischen diesen Variablen sind zu zahlreich, als dass ein GLM sie effektiv modellieren könnte. GBMs bewältigen dies mühelos.

Der Haken: Produktionsreife

Abgesehen von ihrer Vorhersagekraft bringen GBMs echte Herausforderungen mit sich:

  • Regulatorisches Risiko. Viele Aufsichtsbehörden zögern, Pricing-Modelle zu genehmigen, denen es an Transparenz fehlt.
  • Versteckte Verzerrungen. GBMs können Biases enthalten, die schwer zu erkennen sind.
  • Datenlecks. GBMs können zufällige oder nicht-kausale Muster aufgreifen, und aufgrund ihrer geringen Transparenz kann dies schwer zu erkennen sein.
  • Keine aktuariellen Anpassungen. GBMs können nicht manuell für Segmente mit geringen Datenmengen angepasst oder über die Werte in den historischen Daten hinaus extrapoliert werden, die zur Modellanpassung verwendet wurden.

GBMs haben große Hoffnungen geweckt. Doch nur weil ein Modell eine hohe Vorhersagekraft besitzt, heißt das noch lange nicht, dass es so eingesetzt werden kann, dass es einen Mehrwert bietet. Viele Versicherer nutzen sie weiterhin zu explorativen Zwecken oder als Teil ihres Pricing-Prozesses – doch aufgrund der bisher erörterten Schwächen ist es GBMs nicht gelungen, GLMs vollständig zu ersetzen.

GBMs sind nach wie vor leistungsstarke Instrumente. Für die meisten Versicherer reichen sie jedoch nicht aus, um ein transparentes Pricing zu ersetzen.

Der häufige Fehler: GBMs zu stark einschränken

Aktuar:innen greifen häufig zu Gradient Boosting Machines, wenn sie viele Interaktionen in ihren Daten erwarten. Die Herausforderung beginnt jedoch, sobald das Modell gebaut ist: Es kann schwierig sein zu verstehen, was das Modell tatsächlich tut und wie sich diese Interaktionen verhalten.

Der naheliegende Reflex besteht darin, Schutzmechanismen und Constraints über das Modell zu legen, um es erklärbarer zu machen. Wenn jedoch zu viele Einschränkungen notwendig sind, um das Modell zu verstehen, ist es häufig besser, direkt ein sauberes GLM zu erstellen, das diese Constraints in einem einzigen Fit enthält, und am Ende ein Modell zu erhalten, das sowohl besser als auch einfacher ist.

Man beginnt mit einem GBM wegen seiner Leistungsfähigkeit und fügt dann so viele Constraints hinzu, dass das Ergebnis weder einfach noch vollständig vertrauenswürdig ist. An diesem Punkt verbessert man das Modell nicht mehr, sondern baut lediglich ein schlechteres GLM.

Der richtige Ansatz: Beides nutzen

GBMs sind nicht die ultimative Lösung für jedes Problem. Sie sind ein leistungsstarkes Werkzeug, das im richtigen Kontext sinnvoll ist, zusammen mit GLMs, nicht anstelle von ihnen.

Es läuft auf vier Fragen hinaus:

  • Wann ist Transparenz wichtiger als reine Leistung?
  • Wann rechtfertigt Komplexität die Kompromisse?
  • Welche Technik eignet sich für den jeweiligen Anwendungsfall?
  • Unterstützt Ihr Framework beide Ansätze?

Der Ansatz von Akur8: Sichere GBMs in der Produktion

Über Jahre hinweg war die Lücke zwischen explorativer GBM-Nutzung und sicherem Einsatz in Produktion zu groß, um sie sinnvoll zu schließen.

Bei Akur8 haben wir einen Ansatz entwickelt, der diese Lücke schließt:

  • Automatische Explainability-Diagnostik, damit Aktuar:innen das Verhalten von GBMs wirklich verstehen können.
  • Integrierte Governance und Nachvollziehbarkeit, innerhalb desselben Frameworks, das auch für GLMs entwickelt wurde.
  • End-to-End-Deployment, um jedes Modell, ob GLM, GBM oder eine Kombination aus beiden, reibungslos in das Live-Rating zu überführen.

Das Ergebnis sind nicht einfachere GBMs. Es sind GBMs, die nutzbar werden, kontrolliert, transparent und produktionsreif.

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Über den Autor

Thomas Holmes, Chief Actuarial Officer, Akur8

Tom Holmes is Akur8’s Chief Actuarial Officer, and is a co-author of the CAS Monograph 13: Penalized Regression and Lasso Credibility. He has experience modeling personal and commercial insurance, and volunteers with the CAS on predictive modeling topics. He is a frequent presenter at CAS events and Akur8 webinars, and performs industry outreach to share actuarial modeling methodologies and best practices. Tom is a Fellow of the CAS and holds music degrees from the University of Michigan and Ohio University.