Die Einführung eines neuen Versicherungsprodukts ist ein wichtiger Meilenstein, aber noch lange nicht das Ende der Reise.
Die vier typischen Phasen einer erfolgreichen Produkteinführung.
Während die Vorbereitungsphase für die Einführung eines neuen Versicherungsprodukts strategische Planung erfordert, markiert die Markteinführung den Beginn eines entscheidenden neuen Kapitels. Sobald Ihr Produkt auf den Markt kommt, fließen erste Daten aus der Praxis ein, die Ihnen die Möglichkeit bieten, Ihre Strategie zu verfeinern und Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Ohne einen durchdachten Ansatz können dieselben Daten Sie jedoch in die Irre führen.
Dieser Artikel befasst sich mit den wichtigsten Regeln für das Monitoring Ihres neuen Versicherungsprodukts nach der Markteinführung. Von der Interpretation erster Leistungsindikatoren bis hin zur Anpassung an traditionelle aktuarielle Modelle im Zuge der zunehmenden Datenverfügbarkeit – diese praktischen Tipps tragen dazu bei, dass sich Ihr neues Angebot auf einem wettbewerbsintensiven Markt erfolgreich etabliert.
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Behalten Sie die Konversionsraten genau im Auge
Eine der ersten Kennzahlen, die Sie nach dem Markteintritt beobachten sollten, ist die Konversionsrate Ihres Produkts. Sie liefert frühzeitig Aufschluss über die Marktakzeptanz und die Wettbewerbsfähigkeit. Ein plötzlicher Anstieg der Konversionsrate im Versicherungsbereich mag zunächst wie ein Erfolg erscheinen, könnte aber auch auf eine zu niedrige Tarifierung in einem bestimmten Segment hindeuten.
Frühe Konversionsdaten können zudem Schwankungen unterliegen und leicht durch Faktoren wie das Verhalten der Vertriebskanäle oder begrenzte Stichprobengrößen beeinflusst werden. Deshalb ist es unerlässlich, die Glaubwürdigkeit der Daten zu prüfen, bevor Änderungen vorgenommen werden. Ansätze wie „Lasso Credibility“ ermöglichen es Versicherern zu ermitteln, wann ein Trend glaubwürdig genug ist, um darauf zu reagieren, und in welchem Umfang Anpassungen vorgenommen werden sollten. Ohne diese notwendige Disziplin kann es leicht zu Überreaktionen kommen, die die Pricing-Strategien destabilisieren.
Lassen Sie sich durch frühe Schadensdaten nicht von Ihrer Pricing-Strategie abbringen
Das Monitoring von Konversionsdaten reicht nicht aus: Auch Daten zu frühen Schadensfällen können Aufschluss über die Leistungsfähigkeit eines neuen Versicherungsprodukts geben.
Die richtigen Tools für Aktuar:innen sollten Ihnen dabei helfen, die Portfolio-Performance zu überwachen.
Es ist verlockend, erste Schadensfälle sofort als eindeutiges Signal zu werten, doch frühe Daten können irreführend sein. Zu voreiliges Handeln kann mehr Schaden als Nutzen anrichten. Zwar können sich abzeichnende Trends bei den Schadensfällen wertvolle Hinweise auf die weitere Entwicklung geben, doch fehlt ihnen oft die nötige Reife für ein zuverlässiges Pricing.
Anstatt sofort zu reagieren, können Sie diese Daten nutzen, um Muster im Zeitverlauf und über verschiedene Segmente hinweg zu beobachten. Ein auf Glaubwürdigkeit basierender Modellierungsansatz hilft Ihnen dabei, neue Signale im richtigen Tempo einzubeziehen und so ein Gleichgewicht zwischen Reaktionsfähigkeit und Stabilität zu finden. Es geht darum, wachsam zu bleiben und nicht impulsiv zu handeln.
Wenn alle Anzeichen auf mögliche Probleme hindeuten, wie kann man dann reagieren, ohne sich zu sehr festzulegen? Hier kommen A/B-Tests ins Spiel.
Probieren Sie A/B-Tests und Stresstests
Sofern es die Vorschriften und die Infrastruktur zulassen, können A/B-Tests ein wirkungsvolles Instrument zur Optimierung Ihrer Pricing-Strategie nach der Markteinführung sein. Das Testen verschiedener Preisstrukturen, Marketingbotschaften oder Vertriebsansätze kann Erkenntnisse liefern, die selbst die besten aktuariellen Risikomodelle nicht vollständig vorhersagen können.
Moderne aktuarielle Tools wie die Module „DEMAND“ und „DEPLOY“ von Akur8 Pricing erleichtern genau das. Sie ermöglichen es Aktuar:innen, Pricing-Varianten im Live-Betrieb zu testen, die Performance in Echtzeit zu überwachen und Ergebnisse unter verschiedenen Annahmen zu simulieren, ohne das Gesamtportfolio zu beeinträchtigen.
Falls A/B-Tests in Ihrem Markt nicht möglich sind, können Sie Ihre Analyse auf strukturierte „Vorher-Nachher“-Vergleiche und eine fundierte Szenarioplanung konzentrieren.
Diese Art von Experimenten oder Analysen kann besonders in der Anfangsphase eines neuen Versicherungsprodukts von großem Nutzen sein, wenn noch wenige Leistungsdaten vorliegen. Sie kann Ihnen zudem dabei helfen, Erkenntnisse intern zu teilen und Ihre Argumentation gegenüber den relevanten Stakeholdern zu untermauern.
Arbeiten Sie nicht isoliert: Tools für die aktuarielle Zusammenarbeit sind entscheidend
Sobald Ihr Produkt auf dem Markt ist, kommt der Zusammenarbeit zwischen den Teams eine entscheidende Rolle zu. Aktuare, Underwriter, Schadenanalysten, Marketingfachleute und Produktmanager liefern jeweils einzigartige Einblicke in die Performance des Produkts und die Gründe dafür.
Isolierte Analysen erfassen selten das vollständige Bild. Eine Veränderung der Schadenfrequenz kann beispielsweise darauf zurückzuführen sein, dass das Marketing eine andere Zielgruppe anspricht, während ein Rückgang der Konversionsrate durch Reibungspunkte in der User Experience entstehen kann. Funktionsübergreifende Kommunikation hilft, solche Zusammenhänge frühzeitig zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern.
Um die übergeordneten Unternehmensziele zu verstehen, ist es unerlässlich, die Prioritäten und Entscheidungen der verschiedenen Teams zu kennen. Dies hilft Ihnen zudem dabei, Ihren Pricing-Prozess im Laufe der Zeit auf möglichst nachhaltige Weise anzupassen.
Mit zunehmender Datenreife sollte man zu traditionellem Pricing übergehen
In dem Maße, wie Ihre Schadensdaten an Umfang und Qualität gewinnen, wird es möglich, schrittweise von Expertenmeinungen und externen Benchmarks auf interne, erfahrungsbasierte aktuarielle Pricing-Modelle umzustellen.
Sie können zunächst die Segmentierung anhand neuer Erkenntnisse verfeinern und anschließend die Basistarife neu kalibrieren, sobald das Datenvolumen steigt und die darin enthaltenen Trends an Glaubwürdigkeit gewinnen. Mit der Zeit können Sie Modelle auf Gefahrenebene entwickeln, Frequenz- und Schweregradtrends einbeziehen und Elastizitätsmodelle aufbauen, um die Preissensitivität der Kunden besser zu verstehen.
Wichtig ist, dass Sie nicht warten sollten, bis Ihre Daten einen willkürlichen Schwellenwert überschreiten, bevor Sie Maßnahmen ergreifen. Ansätze wie „Lasso Credibility“ ermöglichen es Versicherern zu bestimmen, wann ein Trend glaubwürdig genug ist, um darauf zu reagieren, und in welchem Umfang entsprechende Anpassungen vorgenommen werden sollten.
Tools wie die Module „RISK“ und „RATE“ von Akur8 Pricing unterstützen diesen Prozess, indem sie Aktuar:innen ermöglichen, Versicherungs-Pricing-Modelle zu erstellen, unterschiedliche Pricing-Auswirkungen zu simulieren und Annahmen zu validieren, ohne dabei an Agilität zu verlieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Setzen Sie Daten sinnvoll ein, statt nur darauf zu reagieren
Das Monitoring eines neuen Versicherungsprodukts ist ein Balanceakt. Man muss auf Signale aus der Praxis reagieren, jedoch nur dann, wenn diese stark und glaubwürdig genug sind, um eine Änderung zu rechtfertigen.
Die Einführung eines Versicherungsprodukts ist nur der Anfang einer langen Reise. Der Erfolg auf dem Markt beruht auf einer Kombination aus aktuariellem Urteilsvermögen, gründlicher Analyse von Versicherungsdaten und Zusammenarbeit. Mit der richtigen Herangehensweise und den passenden aktuariellen Tools können Sie sicherstellen, dass sich Ihr Versicherungsprodukt zu einem nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Angebot entwickelt.
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Über den Autor
Edwin Graham, Principal Actuarial Data Scientist, Akur8
Edwin Graham ist als Principal Actuarial Data Scientist in Großbritannien tätig. Er kam 2021 zu Akur8 und bringt zehn Jahre Erfahrung im Versicherungs-Pricing mit. Er hat einen Master-Abschluss in Mathematik von der Lancaster University und ist in seiner Freizeit begeisterter Radfahrer und Feldhockeyspieler.
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